Hirscher mit Wut im Bauch zum WM-Titel

17.02.2017 15:05
Marcel Hirscher ist der neue Riesenslalom-Weltmeister
Marcel Hirscher ist der neue Riesenslalom-Weltmeister

Österreichs Topstar Marcel Hirscher holt in St. Moritz im Riesenslalom seine dritte Einzel-Goldmedaille bei einer WM und macht den Ärger der vergangenen Tage vergessen.

Mit Wut im Bauch, sagte Marcel Hirscher vor dem WM-Riesenslalom, sei er schon oft gut gefahren. Und der Skistar aus Österreich hatte allen Grund, sein viertes Rennen in St. Moritz mit einer gehörigen Portion Ärger anzugehen. Zu viel war auf ihn in den vergangenen Tagen in der Schweiz eingeprasselt. Doch Hirscher schob den Zorn beiseite, weil er wusste: "Wenn du hier überpowerst, bist du weg." Stattdessen zeigte er seine ganze Klasse - und gewann seine dritte Einzelgoldmedaille, die erste im Riesenslalom.

"Bist du deppert, anstrengend war's", sagte er im Schneetreiben von St. Moritz, als sein Triumph perfekt war, "es war sauschwierig." Sein Teamkollege Roland Leitinger, der Überraschungszweite, kam bis auf 0,25 Sekunden an ihn heran. "Ich habe gewusst, ich muss alles geben. Ich bin megahappy", betonte Hirscher, der am Sonntag im Slalom seinen zweiten Coup anstrebt.

Spott nach dem Teamwettbewerb

Hirscher und St. Moritz - das war in den ersten eineinhalb WM-Wochen keine innige Liebe. Nach seiner wilden Fahrt auf Rang 21 zum Auftakt im Super-G meinte er, er müsse sich "bei meiner Mama" und Freundin Laura entschuldigen. "Mein Eindruck war, bist du deppert, riskiere ich heute meine letzte Hose? Ich zittere jetzt noch..." Zwei Tage später kam die Nachricht, der 27-Jährige liege "mit Wärmflasche" im Bett.

Doch Hirscher berappelte sich, trat in der Kombination an - und musste den nächsten Nackenschlag einstecken. Er gewann Silber, verpasste Gold aber nur um 0,01 Sekunden. Nach neun zweiten Plätzen im Weltcup in diesem Winter eine weitere knappe Niederlage, auf die er mit der üblichen Geste reagierte: Der Zeigefinger knapp über den Daumen gehalten - so knapp war's!

Dass Hirscher danach richtig feststellte, die nachlassende Piste habe es den Abfahrern unmöglich gemacht, mit Technikspezialisten wie ihm mitzuhalten, legten ihm manche fälschlicherweise als Kritik am Veranstalter aus. Noch ärger war das Echo aber nach dem Team Event, in dem Titelverteidiger Österreich vorzeitig gescheitert war. Hirscher verlor in der ersten Runde gegen den Belgier Dries van den Broecke - und wurde verspottet.

Hirscher spürt "gravierende Ermüdungserscheinungen"

"Ich bin peinlich enttäuscht von diesen Journalisten", entgegnete er den Kritikern, "deren größtes Problem ist es doch, einen Kaffee aus der Maschine zu lassen. Die waren noch nie in ihrem Leben auf einer Rennpiste." Van den Broecke habe die zweitschnellste Zeit hingeknallt, da könne auch er mal verlieren. Die Antwort lieferte Hirscher dann im "Riesen".

Dennoch verfestigte sich zuletzt der Eindruck, dass Frust und Verbissenheit bei Hirscher immer mehr Überhand nehmen. Die immer wiederkehrenden Niederlagen gegen Slalom-"Mozart" Henrik Kristoffersen machen ihm zu schaffen, obwohl der sechste Triumph im Gesamtweltcup (Rekord) nurmehr Formsache ist. In St. Moritz meinte er, er spüre "gravierende Ermüdungserscheinungen".

Pyeongchang 2018 hat er dennoch fest eingeplant. Denn eine Goldmedaille fehlt dem Salzburger noch: die bei Olympia.

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