Als Sechster des Gesamtweltcups reist Erik Lesser mit großen Ambitionen zur bevorstehenden Biathlon-WM (vom 9. bis 19. Februar) nach Hochfilzen in Österreich. Er gilt als eine von gleich mehreren deutschen Medaillenhoffnungen.
sport.de sprach exklusiv mit dem 28-Jährigen über den bisherigen Saisonverlauf, seine eigenen WM-Ziele und den Blick auf seine deutschen Teamkollegen.
Herr Lesser, Sie haben in diesem Winter bereits mehr als ein halbes Dutzend Top-Ten-Platzierungen eingefahren und liegen im Gesamtweltcup auf dem sechsten Rang. Wie fällt Ihre Saisonbilanz vor den Weltmeisterschaften aus?
Erik Lesser: Ich bin super zufrieden. Bei dem einen oder anderen Rennen wäre vielleicht noch mehr drin gewesen. Aber insgesamt kann ich sehr zufrieden sein.
Vor allem in Oberhof haben Sie ein starkes Wochenende hingelegt, sind dort Zweiter im Massenstart geworden. Was waren für Sie insgesamt bisher die absoluten Höhepunkte des Winters?
Definitiv mein Heimweltcup in Oberhof. Meine Form hat gestimmt, die Organisation war top und das Wetter hat endlich mal gepasst. Die Ergebnisse kamen dann auch noch dazu. Zweimal Fünfter und im Massenstart das Podest mit Fotofinish, der Doppelsieg mit Simon zusammen. Das ist mein persönliches Highlight.
Im Staffelrennen von Antholz haben Sie an der Seite von Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Simon Schempp für den ersten Deutschland-Sieg nach fast zwei Jahren gesorgt. Was waren die entscheidenden Gründe, warum es endlich mal wieder geklappt hat?
Bisher hatten wir immer grundsolide Staffelrennen abgeliefert. Pokljuka und Ruhpolding waren nicht unbedingt meine besten Staffelrennen und die anderen drei mussten viel Zeit aufholen. Diesmal waren wir von Anfang an im Geschehen drin. Am Ende hat es endlich auch im Zielsprint gereicht. Es wurden verhältnismäßig viele Fehler geschossen, das muss bis zur WM noch besser werden.
Zu Ihrem dritten Weltcupsieg hat es bisher noch nicht gereicht. Ist das nur mit der Übermacht eines Martin Fourcades zu erklären oder was haben noch die kleinen Unterschiede ausgemacht?
Ich denke nicht an den Sieg, sondern möchte ein gutes Rennen abliefern. Was dann rauskommt, hängt sicher von Martin Fourcade ab. Aber wir haben so eine Dichte bei den Männern, dass einfach alles passen muss.
Apropos Fourcade: Wie bewerten Sie die Leistungen des Franzosen in diesem Winter? 10 Siege in 15 Rennen sprechen eine ziemlich eindeutige Sprache.
Er ist zu unserem Leidwesen leider der beste Biathlet. Das muss man einfach neidlos anerkennen und ich habe riesen Respekt vor seinen Erfolgen. Er schafft es wie kein anderer, so gnadenlos die Wettkämpfe zu laufen. Seine Laufleistung ist sicherlich überragend, aber am Schießstand ist er einfach eine Bank. Der Weltcup in Oberhof hat das gut gezeigt. Ich stehe da und kämpfe um die Treffer und er schafft es, bei widrigsten Bedingungen zweimal stehend fehlerfrei zu bleiben. Respekt und Anerkennung.
In Hochfilzen steht in der kommenden Woche der Saisonhöhepunkt an. In Prozent ausgedrückt: Wo würden Sie momentan Ihr Leistungsvermögen einordnen und wie gut sehen Sie sich vorbereitet?
Wenn Erfolg so schön planbar wäre ... Die Vorbereitung lief reibungslos. Ein paar Kleinigkeiten konnte ich verbessern. Trotzdem muss ich die Ergebnisliste abwarten und schauen für was es reicht.
Was waren in den letzten Tagen in der Vorbereitungsphase die wichtigsten Trainingsinhalte?
Da ich in den letzten Rennen einige Probleme beim Stehendanschlag hatte, war das meine größte Baustelle. Auf den Ski geht es darum, locker und frisch in die WM zugehen und mit ein paar intensiven Einheiten das Gefühl nicht verlieren.
Wie baut sich eine Trainingswoche bei Ihnen in der wettkampffreien Zeit der Saison auf? Wo werden die besonderen Trainingsreize gesetzt und wo absolvieren Sie Ihre Einheiten?
Nach Antholz war ich zuhause in Oberhof und habe etwas Heimatluft geschnüffelt, die Schneebedingungen waren ja ein Traum. Dann ging es auch schon in die Vorbereitung nach Obertilliach. Die wettkampffreie Zeit ist für alle auch wieder eine Umstellung. Zu den Weltcups haben wir meist eine offizielle Trainingszeit, die vom Veranstalter vorgegeben wird. Meist sind die Zeiten so gelegt, dass nicht viel Zeit bleibt um eine zweite Einheit am Tag zu machen. Dann ist es in der Vorbereitung auch eine kleine Umgewöhnung, wenn man wieder zweimal auf den Ski muss: Morgens gibt es nämlich das klassische Training – Laufen und Schießen. Nachmittags steht eine Einheit mit speziellen Anforderungen auf dem Ski auf dem Programm.
Was haben Sie sich konkret für die WM vorgenommen? Welches Rennen wird Ihnen am Wichtigsten sein?
Momentan stehe ich auf dem sechsten Platz im Gesamtweltcup. Es wäre ganz schön, wenn ich den Platz halten könnte. Auf das Verfolgungs- und Massenstartrennen freue ich mich ein wenig, aber auch die Staffel wird wieder ein besonderes Rennen werden.
Was trauen Sie Ihren DSV-Kollegen um Simon Schempp, Arnd Peiffer und Benedikt Doll zu?
In der diesjährigen Form ist allen dreien alles zu zutrauen. Arnd und Simon standen dieses Jahr schon auf dem Podium und bei Benni bin ich mir sicher, dass bei ihm der Knoten platzen wird.
Die Strecke in Hochfilzen gilt als eine der modernsten der Welt. Wie kamen Sie zuletzt im Pillerseetal zurecht?
In meiner Karriere habe ich einmal als 72. nicht am Verfolgungsrennen teilnehmen dürfen, das war ausgerechnet in Hochfilzen. Bisher habe ich dort nie wirklich geglänzt. So war das allerdings auch mit Kontiolahti.
Nach der WM folgen noch drei Weltcup-Stationen in Pyeongchang, Kontiolahti und Oslo. Wie lautet die Marschroute dann für das Saisonfinale?
Die Marschroute wird sich nicht ändern. Ich freue mich allerdings auf Korea. Ich war vorher noch nie dort und mit Blick auf Olympia wird das ziemlich spannend.
ZUR PERSON: Erik Lesser, 28 Jahre aus Suhl, startet an der Seite von Simon Schempp, Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Florian Graf bei den Biathlon-Weltmeisterschaften, die am 9. Februar mit dem Mixed-Staffel-Rennen in Hochfilzen losgehen. Bisher feierte Lesser schon zwei WM-Titel, darunter der Sensationserfolg vor zwei Jahren im Verfolgungsrennen von Kontiolahti. Seine letzte WM-Medaille stammt aus dem letzten Jahr, als er mit der DSV-Staffel Silber in Oslo holte.
Das Interview führte Mats-Yannick Roth


