Pichler fordert Olympia-Sperre für Russland

03.01.2017 11:11
Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler gilt als ausgemachter Anti-Doping-Kämpfer
Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler gilt als ausgemachter Anti-Doping-Kämpfer

Biathlon-Coach Wolfgang Pichler hat im russischen Dopingskandal um mutmaßliches systematisches Staatsdoping im Falle stichhaltiger Beweise den Ausschluss des Landes von den nächsten Olympischen Winterspielen gefordert.

"Wenn das alles so stimmt, wie es gesagt worden ist, dann müssten die Russen eine Olympia-Pause machen und ausgeschlossen werden. Da trifft es natürlich auch Unschuldige, aber alles andere wäre sinnlos", sagte der 61-jährige Ruhpoldinger. Dann hätten "die Russen Zeit zum Nachdenken. Und dann können wir weitersehen und neu anfangen."

Dem Bericht des Sonderermittlers Richard McLaren nach sollen bei den Winterspielen in Sotschi Dopingproben russischer Sportler im Kontrolllabor mit Hilfe des russisches Inlandsgeheimdienstes FSB reihenweise ausgetauscht worden sein. Pichler ist überzeugt, dass das Vertuschen der Dopingproben in Sotschi von ganz oben gesteuert war und "wahrscheinlich fast alle Proben ausgetauscht wurden. Das war eine Attacke gegen den Sport."

Manipulation an den Röhrchen

Im Zuge des Skandals hatte der Biathlon-Weltverband IBU kurz vor Weihnachten Pichlers frühere Athletin Jana Romanova wie die nicht von ihm betreute Olga Vilukhina als eine der 31 im McLaren-Report genannten russischen Skijäger vorläufig gesperrt. Die beiden Medaillengewinnerinnen von Sotschi bestreiten einen Dopingverdacht. Vilukhina war schon im November zurückgetreten.

Es muss nicht in jedem Fall eine belastende Probe beseitigt worden sein. In dem McLaren-Bericht geht es auch um Spuren von Manipulation an den Röhrchen. "Die Frage ist, wofür ich mich rechtfertigen soll? Für Kratzer an den Fläschchen mit meinen Dopingproben?", sagte Romanova.

"Darum gilt für mich die Unschuldsvermutung"

Pichler ist überzeugt, dass Romanova nicht gedopt hat. "Ich glaube und sage heute noch, dass mein Team sauber war", sagte er. Pichler war von 2011 bis April 2013 russischer Chefcoach. Danach wurde der als ausgewiesener Anti-Doping-Kämpfer bekannte Bayer abgesetzt. Er bereitete dann eine eigene Trainingsgruppe mit Romanova, Olga Zaitseva, Ekaterina Shumilova und Ekaterina Glazyrina auf die olympischen Heimspiele 2014 in Sotschi vor.

Pichler stellt sich im aktuellen Fall hinter die Sportler. "Der Athlet kann nur seine Probe abgeben und was danach geschieht, dafür kann man den Sportler nicht verantwortlich machen. Darum gilt für mich die Unschuldsvermutung, denn es ist ein Unterschied, ob man wissentlich dopt", sagte der nun wieder für das schwedische Team zuständige Pichler und ergänzte: "Ich lege aber auch für niemanden die Hand ins Feuer." Kurz vor dem Olympia-Start in Sotschi war aus der konkurrierenden russischen Trainingsgruppe Irina Starych positiv auf EPO getestet und gesperrt geworden.

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