Skandale 2016: Doping, Geld, Gewalt und Lügen

31.12.2016 11:53
In Marseille gab es im Rahmen der EM schlimme Ausschreitungen
In Marseille gab es im Rahmen der EM schlimme Ausschreitungen

Auch das Sportjahr 2016 war reich an Skandalen. Meistens ging es um Doping, Geld oder Gewalt - US-Schwimmer Ryan Lochte geriet dagegen mit seiner dreisten Lüge nach einer folgenschweren Olympia-Partynacht in die Schlagzeilen. Die größten Sport-Skandale 2016 in der Rückschau.

WEITERE ENTHÜLLUNGEN IM SOMMERMÄRCHEN

Die Aufarbeitung der WM-Vergabe für 2006 hält die Sportfans wieder in Atem. Der Deutsche Fußball-Bund hofft, mit der Veröffentlichung des Abschlussberichts der Wirtschaftskanzlei Freshfield einen Deckel auf die Sache setzen zu können. Freshfield legt zwar keine eindeutigen Beweise vor, dass das Sommermärchen gekauft wurde, aber viele Indizien sprechen dafür.

Im März wird der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach von der Ethikkommission der FIFA für ein Jahr gesperrt, weil er die Affäre zuerst intern regeln wollte. In der Berufung wird das Urteil bestätigt.

Am 1. September leitet die Schweizer Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die OK-Chefs um Franz Beckenbauer ein, es gibt Häuserdurchsuchungen. Wenig später wird bekannt, dass Beckenbauer für seine Werbetätigkeit für einen WM-Sponsor 5,5 Millionen Euro aus dem Topf für die WM-Organisation erhalten hat.

HOOLIGAN-PLAGE WIRFT SCHATTEN ÜBER DIE EURO

Die Terrorangst bestimmte im Vorfeld der EURO in Frankreich die Sicherheitsdebatte, doch es sind wieder die Hooligans, die Angst und Schrecken verbreiten.

Den Anfang nimmt der Krawall am 10. Juni beim Gruppenspiel zwischen England und Russland in Marseille. Zuerst prügeln Rowdies beider Lager am Hafen fast wie besinnungslos aufeinander ein, dann gehen offenbar bestens vorbereitete russische Hooligans im Stade Velodrome auf Engländer los.

Es gibt 35 Verletzte, eine Person schwebt zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Es wird Kritik am Sicherheitskonzept der Organisatoren und am Verhalten der Polizei laut.

SELBSTBEREICHERUNGSVORWÜRFE GEGEN BLATTER

Für den am 26. Februar gewählten, neuen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino ist die Sache klar: "Die Krise ist vorbei." Und tatsächlich: Im Vergleich zum schier unfassbaren Skandal-Jahr 2015 mit etlichen Verhaftungen wird es ruhiger um den Weltverband, der verschiedene Reformen verabschiedet hat.

Doch um die alte Führungsriege gibt es weiterhin Ärger. Gegen Joseph S. Blatter und Co. werden millionenschwere Selbstbereicherungsvorwürfe laut - die natürlich abgestritten werden. Zudem laufen in der Schweiz die Ermittlungen weiter.

2017 sollen in den USA die Prozesse gegen die Schlüsselfiguren der Skandale beginnen.

RUSSLANDS LEICHTATHLETEN DÜRFEN IN RIO NICHT STARTEN

Das Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF bestätigt am 17. Juni in Wien die Suspendierung des russischen Verbandes und besiegelt damit das Aus der russischen Leichtathletik für Rio.

Die IAAF hatte den russischen Verband im November des Jahres von allen großen Veranstaltungen wegen massiver Verstöße gegen die Richtlinien des weltweiten Anti-Doping-Kampfes gesperrt. Whistleblowerin Yuliya Stepanova, die mit ihren Aussagen die Aufdeckung des Doping-Skandals ins Rollen gebracht hatte, erhält am 1. Juli ihr internationales Startrecht von der IAAF zurück.

Das IOC lehnt jedoch einen Start der Russin als neutrale Athletin bei den Spielen in Rio ab.

HICKEY-VERHAFTUNG BEI OLYMPIA

Patrick Hickey, bis dahin Mitglied im Vorstand des Internationalen Olympischen Komitees, wird am Tag nach der Eröffnung der Spiele in Rio de Janeiro verhaftet. Der 71-Jährige steht im Verdacht, Olympia-Eintrittskarten aus dem Kontingent der irischen Olympischen Komitees zum überteuerten Weiterverkauf an die Ticket- und Hospitality-Firma THG weitergegeben und sich damit bereichert zu haben.

Der Ire beteuerte stets seine Unschuld. Mitte November entschied Richterin Juliana Leal de Melo, dass der an Herzproblemen erkrankte Hickey gegen Zahlung einer Kaution von 1,5 Millionen Real (rund 400.000 Euro) ausreisen dürfe und sich in seiner Heimat in medizinische Behandlung begeben könne.

LÜGEN-LOCHTE MACHT SICH UNBELIEBT

Ryan Lochte erzählt der Öffentlichkeit bei Olympia eine Räuberpistole - doch der Schuss geht nach hinten los. Der angeblich bewaffnete Überfall auf den US-Schwimmer und drei seiner Teamkollegen entpuppt sich als dreiste Lüge. Die Amerikaner hatten in einer Partynacht in Rio an einer Tankstelle randaliert und später für den Schaden bezahlen müssen.

Lochte spielt zuerst das Opfer, und als die Wahrheit durch TV-Kameras und Geständnisse der Teamkollegen längst bekannt war, lügt der sechsmalige Olympiasieger einfach weiter. Die Strafe: Der US-Schwimmverband suspendiert ihn für zehn Monate, Sponsoren kündigen ihre Verträge, sein Ruf in der Sportwelt und in der Heimat ist ruiniert. "Der hässliche Amerikaner", titelt die "New York Post".

ENTHÜLLUNGSVIDEO BRINGT ALLARDYCE ZU FALL

So schnell und skandalös wie Sam Allardyce ist noch kein Teammanager bei der englischen Fußball-Nationalmannschaft gescheitert. Nur 68 Tage nach seinem Amtsantritt bringt ihn ein brisantes Enthüllungsvideo zu Fall. Allardyce wurde bei einem Gespräch mit Reportern der englischen Zeitung Telegraph heimlich dabei gefilmt, wie er Tipps zum Umgehen der Transferregeln gibt.

Außerdem machte sich der Coach in dem Video über seinen Vorgänger Roy Hodgson lustig, er verunglimpft Nationalspieler, bezeichnet die FA als "dumm" und kritisiert deren Präsident Prinz William. "Es war eine Dummheit, und ich zahle dafür den Preis", sagt Allardyce.

STEUERTRICKS IM PROFI-FUSSBALL

Dass im Profifußball mit Geld nur um sich geworfen und manchmal auch getrickst wird, schien irgendwie allen klar. Doch der Umfang, der nach den Enthüllungen durch die Plattform 'Football Leaks' offenbart wird, überrascht dann doch.

Die Dokumente deuten auf eine große Maßlosigkeit im internationalen Profifußball hin, viele der angegebenen Steuerpraktiken erscheinen mindestens fragwürdig.

MISSBRAUCHSVORWÜRFE IM ENGLISCHEN FUSSBALL

Das Fußball-Mutterland wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Seit November melden sich fast täglich Betroffene, darunter frühere Nationalspieler, die als Kinder und Jugendliche meist in den 1980er- und 90er-Jahren von Trainern oder Scouts sexuell missbraucht worden sein sollen. Landesweit sollen mittlerweile 98 Klubs betroffen sein.

Der englische Fußball-Verband FA spricht von der "größten Krise", leitete Ermittlungen ein und stellt Entschädigungszahlungen in Aussicht. Auslöser des noch längst nicht gänzlich aufgearbeiteten Skandals war ein "BBC"-Interview des Ex-Profis Andy Woodward.

MCLAREN-BERICHTE ZUM STAATSDOPING IN RUSSLAND

Das erste Bericht erschütterte die Sportwelt am 18. Juli. Ermittler Richard McLaren weist Russland ein staatlich gelenktes und weit verbreitetes Doping-System von 2011 bis 2015 nach. Der Kanadier stützt sich auf Aussagen des früheren Leiters des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodtschenkow.

Allein bei Winter-Olympia in Sotschi 2014 sollen mehrere Dutzend russischer Athleten gedopt an den Start gegangen sein. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA fordert eine Kollektiv-Sperre gegen Russland für die Sommerspiele in Rio - das Internationale Olympische Komitee lehnt ab.

Der zweite McLaren-Report wird am 9. Dezember in London veröffentlicht und stellt fest, dass über 1000 russische Athleten in 30 Sportarten von der systematischen Doping-Vertuschung profitiert haben sollen. Gesteuert wurde das System vom russischen Sportministerium. Betroffen gewesen sind unter anderem die Olympischen Sommerspiele in London 2012, die Leichtathletik-WM 2013 in Moskau sowie die Winterspiele in Sotschi 2014.

Es habe eine "institutionalisierte Strategie zur Medaillenbeschaffung in Sommer- und Wintersportarten" gegeben, sagte McLaren. Zwei vom IOC gegründete Kommissionen nehmen die Ergebnisse des Berichts in ihre Arbeit auf.