Hambüchen: Von "Schlag den Star" zum Rio-Held

18.12.2016 23:50
Fabian Hambüchen wurde als Sportler des Jahres geehrt
Fabian Hambüchen wurde als "Sportler des Jahres" geehrt

Zu Jahresbeginn noch vor dem Karriere-Ende, nun wieder einmal Sportler des Jahres. Reck-Olympiasieger Fabian Hambüchen darf sich über das perfekte Ende einer glanzvollen Laufbahn freuen.

Ein Jahr, das für Fabian Hambüchen mit verzweifelten Gedanken an ein unspektakuläres Karriere-Ende begann, endet mit einem perfekten Ausklang einer grandiosen Laufbahn. Dem olympischen Gold in Rio de Janeiro folgt die Wahl zu Deutschlands Sportler des Jahres. Für den 1,63 m kleinen Vorturner, dessen malade Schulter über Monate so heftig schmerzte, hat sich der Kreis geschlossen.

Neun lange Jahre, mehr als jeder andere männliche Einzelsportler, hat der Hesse auf diese erneute Ehrung warten müssen. 2007 honorierten Deutschlands Sportjournalisten nicht nur Hambüchens Weltmeistertitel am Reck. Sie faszinierte auch dessen Habitus als ungeduldiger und hochemotionaler Himmelsstürmer, der als kleiner Turnstar mit Riemchen den piefigen Turnhallenmief vertrieb.

Titel und PR-Ausrutscher eines Stars

Kreischende Fans, das hatte es bei der olympischen Kernsportart Kunstturnen in Deutschland noch nicht gegeben. Und der Wetzlarer genoss den Rummel, war beim "TV total Turmspringen", "Wer wird Millionär" und "Schlag den Star" zu Gast, sammelte aber auf den Turnpodien weiterhin zahllose internationale Medaillen ein, hinzu kamen 40 (!) nationale Titel.

Selbst eine mit knapp 23 Jahren veröffentlichte höchst triviale Autobiographie irritierte die Öffentlichkeit nur kurzfristig. Die Imagedelle blieb so flach wie die von einem Ghostwriter verfassten verstörenden Intimgeständnisse Hambüchens. Die Branche tat es eher als PR-Ausrutscher seines Managers Klaus Kärcher ab.

Im Paket mit Vater und Trainer Wolfgang sah sich Hambüchen aber auch immer als Kämpfer gegen Vorgaben von außen. Fest verwurzelt im Familien-Clan, zu dem auch Mutter Beate und vor allem Onkel und Psychologe Bruno gehören, ließ er sich vom Deutschen Turner-Bund (DTB) nicht vereinnahmen.

Wie Jérôme Boateng bei der Hertha

Immer wieder rappelte es, und fast immer war es der Verband, der später klein beigab. Zu abhängig war er von seinem bisweilen aufmüpfigen Frontmann. Auch diese Attitüde des immer mündiger werdenden Athleten findet in der erneuten Sportlerwahl Hambüchens ihren Ausdruck.

Als turnender Weltreisender hat Hambüchen mehrfach den Globus umrundet, doch das heimische Hessen ist ihm eine ganze Menge wert. Kein Zufall, dass der Kölner Student auch noch im kommenden Jahr weiter für die KTV Obere Lahn in der Bundesliga an die Geräte gehen will. Was ungefähr so ist, als ob Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng wieder in Berlin bei Hertha BSC spielen würde.

Pläne für die Zeit danach gab es schon viele, aktuell kann sich Hambüchen junior gut vorstellen, seinen Senior als Trainer am Landesstützpunkt Gießen in drei Jahren zu beerben. Dann wäre auch der familiäre Kreis geschlossen...