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"Coach K": Der Dompteur der NBA-Superstars

07.08.12
"Coach K": Der Dompteur der NBA-Superstars
Mike Krzyzewski hat als Trainer der NBA-Stars den unbestreitbar besten Ruf. Foto: Diego Azubel, DPA

Mike Krzyzewski nahm es mit Humor. Dass bei der Pressekonferenz auf dem Papierschild vor ihm ein "z" in seinem Namen fehlte, war für den Trainer der US-Basketballer kein Grund zur Klage.

"Der Name ist auch nicht einfach", sagte Krzyzewski mit einem Lächeln. Der 65-Jährige ist es gewohnt, dass es bei den spektakulären Auftritten der NBA-Stars nicht um ihn geht. LeBron James, Kobe Bryant, Kevin Durant - diese Ausnahmekönner sind es, für die die Massen auch in London wieder in die Halle strömen.

Die Muli-Millionäre aus der besten Basketball-Liga der Welt sorgen dafür, dass die Partien des Olympiasiegers von 2008 in der britischen Hauptstadt zu den absoluten Hinguckern gehören. Krzyzewski dagegen sitzt meist ruhig und unbeachtet von allen auf der Bank.

Doch ohne "Coach K" geht es nicht. In kaum einer anderen Liga der Welt sind so viele Egozentriker vertreten, wie in der NBA. Der eigene Glanz ist den US-Riesen meist wichtiger als der Erfolg des Teams. Diese Eitelkeit gepaart mit riesiger Arroganz war es, die den Amerikanern bei den Sommerspielen 2004 einen der bittersten Basketball-Momente seit dem verlorenen Olympia-Finale gegen Russland in München 1972 bescherte - Platz drei war eine beispiellose Blamage.

Nachdem es in Athen nur zu Bronze gereicht hatte, griff der US-Verband ein und betraute Krzyzewski mit der Aufgabe, das ramponierte Image der Basketballer wieder aufzupolieren. Und das, obwohl der dreifache Familienvater nie selbst in der NBA gecoacht hat. Dafür bringt er andere Fähigkeiten mit, die für den Job viel wichtiger sind, als ein paar Jahre in der Glamour-Welt NBA.

"Er ist ein unglaublich guter Kommunikator und kann sehr gut zuhören", lobte Bryant den Trainer der Duke University. "Er ist ein fantastischer Motivator. Ich liebe es, mich mit ihm zu unterhalten", sagte Doppel-MVP James.

Auch Krzyzewskis Erfolge sprechen für sich. Kein Basketball-Coach hat am College mehr Spiele gewonnen, als der geborene Chicagoer (927). Keinem anderen Trainer ist es gelungen, die in den USA extrem populäre College-Meisterschaft, Olympia-Gold und den WM-Titel zu holen. "Mike ist so ehrgeizig. Das ist es, was ihn antreibt", lobte Verbands-Boss Jerry Colangelo den Dompteur der Superstars.

Hinzu kommen eine Mischung aus Demut und Dankbarkeit für den "Traumjob", die Krzyzewski auch den verwöhnten NBA-Stars vermittelt. "Es ist eine große Ehre, sein Land auf dem höchsten Sport-Level vertreten zu dürfen", sagte der Großvater. In der Vorbereitung auf die Sommerspiele in London ließ Krzyzewski seine Spieler in Washington daher auch mit US-Veteranen zusammenkommen. "Die Jungs sollten fühlen, was und wen sie bei Olympia repräsentieren."

Bislang geht Krzyzewskis Plan in London auf. Ohne Niederlage qualifizierte sich der Topfavorit wie erwartet für das Viertelfinale, wo am Mittwoch (23.15 Uhr MESZ) Australien der Gegner ist. James und Co. haben die Vorstellungen ihres Trainers verinnerlicht. "Wir machen alles, was der Coach von uns will", sagte James, umzingelt von Hunderten Journalisten. Krzyzewski machte sich derweil auf den Weg zur Pressekonferenz. Notiz nahm auf dem Weg dorthin kaum einer von ihm. Doch das ist "Coach K." gewohnt.