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Sprinterin Sailer verliert EM-Titel

28.06.12 18:38
Sprinterin Sailer verliert EM-Titel
Verena Sailer konnte den EM-Sieg der Bulgarin Iwet Lalowa über die 100 Meter nicht verhindern. Foto: Bernd Thissen, DPA

Ausflüchte suchte Verena Sailer nach dem verpatzten Sprint im Olympiastadion von Helsinki nicht. "Das ging gründlich in die Hose", bekannte die entthronte Europameisterin. In mäßigen 11,42 Sekunden lief die 26-jährige Mannheimerin im 100-Meter-Finale nur auf den sechsten Platz.

"Sechste in Europa zu werden, ist nicht so schlecht, doch deshalb bin ich nicht angetreten", meinte Sailer. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden." Ein Rätsel ist ihr gewesen, warum sie bis 30 Meter nach dem guten Start vorne lag, bis 60 Meter auf Medaillenkurs lag und danach nichts mehr zuzusetzen hatte und an Tempo verlor. "Ich wollte hinten Gas geben, aber es ging nicht. Es kann sich jeder denken, dass ich eine Medaille machen wollte." Und es wäre alles möglich gewesen: Die neue Europameisterin Iwet Lalowa (Ukraine) gewann in 11,28 Sekunden vor Olessja Powh (Ukraine) und Lina Grincikaite (Litauen), die zeitgleich Platz zwei und drei belegten. Zum Vergleich: Im Vorlauf war Verena Sailer 11,14 Sekunden schnell, im Halbfinale 11,17 Sekunden gerannt.

Entmutigen will sie sich vor den Olympischen Spielen in fünf Wochen in London durch das verpatze EM-Solo nicht lassen. "Ich sehe es eher positiv und will aus den Fehlern lernen. Nun bin ich um ein, zwei Erfahrungen reicher", sagte Sailer. Außerdem gibt es für sie mit der deutschen Sprint-Staffel etwas zu holen. Schließlich hatten auch ihre Vereinskameradin Anne Cibis (7. Platz/11,54 Skunden) und Tatjana Pinto aus Münster (8./11,62) das Finale erreicht.

Dass Verena Sailer 2011 wegen einer Achillessehnenverletzung auf die Weltmeisterschaft im südkoreanischen Daegu verzichten und fast acht Monate pausieren musste, wollte sie nicht als Ausrede geltenlassen. "Die Verletzung ist ausgeheilt. Das war hier meine Schuld", sagte sie. Erst am 14. Januar beim Hallen-Meeting in Karlsruhe kehrte sie auf die Laufbahn zurück. Eine Auszeit, der sie viel Positives abgewonnen hat. "Ich würde sagen, dass es mir geholfen hat, mich richtig zu regenerieren und meinem Körper die notwendige Pause zu gönnen", meinte die fünfmalige deutsche Meisterin.

Nach ihrem Sensationssieg bei der EM 2010 in Barcelona war die schnellste Frau Europas zwischen Sportlerwahl-Galas, Talkshows und PR-Terminen hin und her geeilt. Plötzlich kämpfte Sailer nicht nur auf der Tartanbahn mit der Zeit, sondern führte ein "Leben im Sprint", wie es auf ihrer Website heißt, und hielt sich an ihr Motto: "Jeden Tag von 0 auf 100." Das kostete Kraft und führte zur Einsicht, "wie wenig Zeit ich meinem Körper gegeben habe", sagte Sailer.

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