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Diskus-Weltmeister Harting: "Es zählt nur Olympia"

28.06.12
Diskus-Weltmeister Harting: "Es zählt nur Olympia"
Für Robert Harting zählt vor allem Olympia. Foto: Bernd Thissen, DPA

Kapitän Robert Harting hat seinen Kurs genau berechnet. "Es zählt nur Olympia", meinte der Diskus-Weltmeister. Bei der Europameisterschaft in Helsinki am finnischen Meerbusen macht er deshalb nur so kurz wie möglich halt.

"Bei der EM will ich über 68 Meter werfen, in London soll es noch etwas besser sein", kündigte der 27-jährige Berliner vor seinem EM-Start an diesem Freitag an. Wer sollte dem EM-Zweiten den Titel streitig machen? "Ein Selbstläufer ist das nicht", warnte Günther Lohre, Vizepräsident Leistungssport des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), mehr routinemäßig als aus Überzeugung und ergänzt schnell: "Natürlich ist er der Topfavorit."

Hüne Harting, der erst am Donnerstag zur EM anreiste und neben Kugelstoßerin Nadine Kleinert deutscher Teamkapitän ist, führt die Weltbestenliste mit 70,66 Meter an. Seine härtesten Rivalen im Ring von Helsinki dürften nach ihren Saisonbestleistungen Gerd Kanter (Estland/67,71), Lawrende Okoye (Großbritannien/68,24) und Rutger Schmith (Niederlande/66,97) sein. Hartings größte Konkurrenten, Virgilijus Alekna (Litauen) und Piotr Malachowski (Polen), verzichteten zugunsten der Vorbereitung auf die nahen Olympischen Spiele in London (27. Juli bis 12. August) auf die EM.

"Einen Olympiasieg kann man sich wünschen, man kann dafür trainieren. Ein Wettkampf hat aber seine eigenen Gesetze", weiß Harting. "Ich brauche noch ein bisschen Ruhe, dann ist alles gut." Psychisch ist er nach der Trennung von seiner langjährigen Freundin und einer Knieoperation im Oktober 2011 wieder top drauf. "Im Kopf bin ich sehr stabil. Ich glaube daran ändert sich nichts", sagte Harting. Er fühle sich wie eine Festung: "Die Gegner prallen an mir ab."

Flotte Sprüche und ein lockeres Mundwerk hat er immer noch, dennoch ist der Haudrauf der deutschen Leichtathletik moderater geworden. "Er hat eine sehr positive Entwicklung genommen", meinte DLV-Sportchef Lohre. "Robert hat oft gegen den DLV vom Leder gezogen. Wir haben das aber überlebt." Solche Rundumschläge hat es zuletzt von ihm nicht mehr gegeben. "Bad news are good news" - mit negative Nachrichten Schlagzeilen zu produzieren, ist ein zweischneidiges Schwert. Dies hat Harting, der das Böse-Buben-Image nach den beiden WM-Triumphen mit dem Zerfetzen seines Nationaltrikots noch förderte, inzwischen erkannt. Dennoch will er kein angepasster Athlet sein. "Wenn ich mich verbiegen muss, sage ich dem Sport good bye", verkündete Harting.

Die Beziehung zwischen ihm und dem DLV ist keine Liebesgeschichte, dennoch ist der Verband stolz auf Harting. "Er betreibt seinen Sport absolut professionell und vermarktet sich geschickt", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop. "Inzwischen gehört er zu den populärsten Leichtathleten Deutschlands."

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