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Verhextes Jahr: Schweinsteiger kämpft um EM

31.05.12
Verhextes Jahr: Schweinsteiger kämpft um EM
Die deutsche Nationalmannschaft hofft, dass Bastian Schweinsteiger bis zur EM fit wird. Foto: Jan Woitas, DPA

Es ist wie verhext für Bastian Schweinsteiger. Die Leidenszeit des Fußball-Nationalspielers in dieser Saison setzt sich auch vor der Europameisterschaft nahtlos fort.

Ein Bluterguss in der linken Wade aus dem Champions-League-Finale bremst Joachim Löws Mittelfeldchef in seinem Tatendrang, ein Einsatz beim Turnierstart gegen Portugal ist zum Wettlauf mit der Zeit geworden - Ex-Kapitän Michael Ballack und das WM-Sommermärchen 2006 lassen grüßen.

Noch beschwichtigt die Sportliche Leitung um Joachim Löw. Der Bundestrainer sprach von einem Heilungsverlauf, der "ein bisschen schwieriger als gedacht" verlaufe. "Der 9. Juni ist der Zeitpunkt, der für uns zählt. Wir sind guter Dinge", sagte Teammanager Oliver Bierhoff zum Abschluss des Trainingslagers in Südfrankreich, wo Schweinsteiger nur vom Fahrrad-Ergometer aus den Teamkollegen beim Fußballspielen auf dem Platz zuschauen konnte.

"Klar, würde Bastian gerne mittrainieren", berichtete Philipp Lahm. Der Kapitän stufte die Blessur als "ernst" ein und bewertete auch schon mal einen möglichen Startausfall seines Bayern-Kollegen: "Natürlich würde das schmerzen."

Schweinsteigers Pechsträhne begann mit einem Schlüsselbeinbruch im November. Dann warf ihn zu Jahresbeginn ein Außenbandriss am rechten Sprunggelenk ein weiteres Mal zurück. Schweinsteiger kämpfte sich nach beiden Verletzungen wieder heran, quälte sich trotz fehlender Form und Spielpraxis sogar jeweils 120 Minuten durch die großen Spiele des FC Bayern in der Champions League gegen Real Madrid und Chelsea.

Umsonst: In Bundesliga, DFB-Pokal und Königsklasse wurde der 27-Jährige mit den Bayern immer nur Zweiter. Ausgerechnet er schoss im Heimfinale gegen Chelsea den entscheidenden letzten Elfmeter der Münchner an den Pfosten. Tränen, Wut, Niedergeschlagenheit - seit dem Spiel leidet Schweinsteiger seelisch und auch körperlich.

Die EM hatte der 90-malige Nationalspieler zum persönlichen "Neuanfang" ausgerufen. Doch das Champions-League-Finale lässt ihn auch bei der Nationalmannschaft und vor dem neuen Ziel EM-Titel nicht los. "Er hat 115 Minuten mit einer leichten Verletzung gespielt", beschrieb Löw die Problematik der Blessur in Schweinsteigers Wade und betonte: "Jetzt will ich das Risiko natürlich absolut minimieren."

Der Bundestrainer verordnete dem Leistungsträger Sondertraining. Für die EM-Generalprobe am Donnerstag in Leipzig gegen Israel strich er Schweinsteiger vorsichtshalber aus seinen Planungen.

Selbst wenn Schweinsteiger am kommenden Montag nach dem Bezug des EM-Quartiers in Danzig endlich mit der Mannschaft trainieren sollte, wird er zum Turnierstart keinesfalls "voll im Saft stehen" können, wie es Löw zur Vorgabe für seine EM-Startelf gemacht hat. Trotzdem wird der Bundestrainer um seinen Mittelfeldchef kämpfen, der sich - wie die lange verletzten Per Mertesacker und Miroslav Klose - unter Umständen auch erst während der EM "reinquälen" soll ins Turnier.

Löw weiß um die Bedeutung der "absoluten Führungspersönlichkeit" Bastian Schweinsteiger. Als er nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Ballack vor der WM 2010 Lahm zum Kapitän ernannte, erklärte er Schweinsteiger nicht nur zu dessen Stellvertreter, sondern auch zum "emotionalen Leader" des Teams. In Südafrika war Schweinsteiger der für alle sichtbare Chef der jungen DFB-Elf auf dem Spielfeld.

Auch der Vergleich mit Ballack und der WM 2006 drängt sich auf. Vor sechs Jahren verzichteten Bundestrainer Jürgen Klinsmann und sein damaliger Assistent Löw im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica auf den "Capitano", der sich im letzten WM-Testspiel ebenfalls an der Wade verletzt hatte.

"Bei Ballack war es eine Verletzung, die häufiger aufgetreten ist und kein einzelner Fall", relativierte Bierhoff und betonte: "Bei Bastian sollte mit dem richtigen Auskurieren die Sache erledigt sein." Das könnte zutreffen: Aber auch Ballack fand bei der Heim-WM nie zu seiner Höchstform. Deutschland schied im Halbfinale gegen Italien nach Verlängerung aus - auch Schweinsteiger war dabei.

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