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Trotz EM-K.o.: Portugiesen stolz auf ihr Team

28.06.12
Trotz EM-K.o.: Portugiesen stolz auf ihr Team
Der Portugiese Fabio Coentrao (l) wird nach dem EM-Aus von Trainer Paulo Bento getröstet. Foto: Srdjan Suki, DPA

"Ganz Portugal kann stolz auf dieses Team sein", sagte Trainer Paulo Bento nach dem knappen Halbfinal-Aus gegen Spanien. Seine Mannschaft hat bei der EM ein turbulentes Auf und Ab erlebt, und während des Elfmeterschießens kam das noch einmal gut zum Ausdruck.

Diese eine, groteske Szene spiegelte noch einmal die gesamte Achterbahnfahrt der Portugiesen bei dieser Fußball-EM wieder. Bruno Alves war im Elfmeterschießen gegen Spanien schon fast am ominösen Punkt angelangt, als sein Teamkollege Nani von hinten angelaufen kam und dem Verteidiger klarmachte, dass er noch gar nicht an der Reihe sei. Nani selbst schnappte sich den Ball und verwandelte sicher. Aber als Bruno Alves dann tatsächlich schießen musste, traf er nur die Latte des spanischen Tores. Er machte damit den Weg für den Welt- und Europameister ins EM-Endspiel frei.

"Ich habe mein Bestes gegeben", sagte der 30 Jahre alte Pechvogel nach der bitteren 2:4-Niederlage im Elfmeterschießen des Halbfinales von Donezk. Und trotz aller Enttäuschung und unglücklichen Umstände dieses Ausscheidens galt dieser Satz auch für die Leistung der gesamten Mannschaft im Verlauf des Turniers.

"Portugals Stolz", titelte die Zeitung "A Bola" am Donnerstag in dicken Lettern. Regierungschef Pedro Passos Coelho sieht in der "solidarischen Leistung" der Mannschaft sogar ein gutes Omen für das vom Bankrott bedrohte, ärmste Land in Westeuropa. Er sei überzeugt, sagte Passos, dass "das Beispiel (der Fußballer) uns ermöglichen wird, in nächster Zukunft noch anspruchsvollere Ziele zu erreichen".

Auch Trainer Paulo Bento lobte die "Seleccao" mit dem gleichen Überschwang und dem gleichen Pathos, mit dem er sie zuvor schon hineingeschickt hatte in dieses Duell der Nachbarn und Rivalen. "Ganz Portugal kann stolz auf dieses Team sein", sagte er. "Spanien ist zwar eine großartige Mannschaft, aber auch wir können den Platz mit erhobenem Haupt verlassen. Wir können uns jetzt sicher sein, dass wir mit jeder Mannschaft bei jedem Turnier auf jedem Niveau mithalten können. Das haben wir bei dieser EM gezeigt."

Bentos Worte galten nicht nur dem zu gleichen Teilen leidenschaftlichen und sehr disziplinierten Auftritt im Halbfinale. Noch bemerkenswerter war, wie sein Team bis zum Fehlschuss von Alves jeden Rückschlag vor und bei diesem Turnier verarbeitete.

Die Portugiesen waren begleitet von massiver Kritik und Skepsis zur EM gereist, weil sie zuvor kein einziges ihrer Testspiele gewonnen hatten. Nach der 0:1-Niederlage gegen Deutschland glaubte erst recht keiner mehr an sie, doch die Mannschaft steckte das genauso weg wie das zwischenzeitliche 2:2 nach einer 2:0-Führung gegen Dänemark und den 0:1-Rückstand gegen die Niederlande.

Das Halbfinal-Drama gegen Spanien widerlegte endgültig alle Vorurteile, nach denen Portugals Team a) gar kein richtiges Team sei und b) nur aus Superstar Cristiano Ronaldo und ein paar Statisten bestehe. Als Bruno Alves nach seinem Lattentreffer zurück zur Mittellinie schlich, löste sich gleich die Hälfte der Mannschaft aus ihrem Pulk, um ihn zu trösten und zu umarmen. Ronaldo selbst kam als fünfter Schütze erst gar nicht mehr dran.

"Elfmeterschießen ist wie eine Lotterie", sagte der Kapitän der Portugiesen. Und manchmal eben auch eine Frage der richtigen Reihenfolge. Oder wie es die Zeitung "Record" formulierte: "2012 sollte nicht das Jahr sein, in dem die Seleccao es bis zur Ziellinie schafft. Das portugiesische Volk hatte am Ende des Tages Tränen in den Augen, obwohl die Nationalelf ihre Ziele übertroffen hat."

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