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Meister-Party mit Sauerbraten - aber ohne Alkohol

29.03.13 15:07
Jupp Heynckes, FC Bayern
Dieses Bild werden wir am Samstag nicht sehen
Foto: Getty Images/Bongarts
Wirklich keine Party? Ein kleines Hintertürchen ließ Jupp Heynckes dann doch offen. "Ich muss Markus korrigieren", sagte der Trainer des FC Bayern und sah zu Mediendirektor Markus Hörwick hinüber. Der hatte von einem Zapfenstreich gesprochen für den Fall, dass die Bayern am Samstagabend ihren 23. Titel gewinnen.

"Bei mir hat es noch nie einen Zapfenstreich gegeben", entgegnete Heynckes. Seine Spieler seien "so professionell, die wissen, was sie zu tun haben". Nämlich: ruhig bleiben, nicht feiern - auch nicht den frühesten Gewinn der Meisterschale in 50 Jahren Bundesliga.

Diese Anweisung hatten die Klubbosse in den vergangenen Tagen wiederholt öffentlich formuliert. Hörwick ergänzte: "Es gibt keine Bierduschen, keine Käppis, keine T-Shirts, kein Feuerwerk." Heynckes kündigte ein "gemeinsames Essen als aktive Vorbereitung" auf das so wichtige Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League am Dienstag gegen den italienischen Meister Juventus Turin an. "Da gibt's einen rheinischen Sauerbraten", sagte er lachend. Das in diesen Fällen in München obligatorische Weißbier verbot der 67-Jährige nicht direkt, er betonte aber: "Man kann sich auch ohne Alkohol freuen."

Nach dem HSV ist Juve

Die partyfeindliche Stimmung an der Säbener Straße hat sehr gute Gründe. "Wenn man die Chance hat, noch zwei andere Titel zu holen, sollte man das Fußballspielen nicht einstellen", sagte Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger: "Wir wollen noch mehr greifen. Das Spiel am Dienstag ist viel zu wichtig, da ist es klar, dass keine große Feier stattfinden wird. Wir können auch wann anders feiern." Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte bereits vor Tagen das Motto "Feiern verboten!" ausgegeben und legte im Bayern-Magazin noch nach. Ab dem Schlusspfiff stehe das "schwere und hochinteressante Spiel gegen Turin" im Fokus.

Sportvorstand Matthias Sammer, der ewige Mahner, setzte in der 'Bild' noch einen drauf. Er hätte "keinen Respekt" vor Profis, die diese Ansage missachteten, sagte er. Eine Feier sei vergänglich. "Wir haben seit vorigem Sommer gnadenlos daran gearbeitet, um dort zu sein, wo wir sind. Und dürfen jetzt bitte nicht anfangen, Denkfehler zu machen." Die Vorfreude wollte sich Heynckes aber nicht verbieten lassen auf seine dritte Meisterschaft mit den Münchnern, die erste seit 23 Jahren. "Das ist ein wahnsinniges Ereignis, eine wunderschöne Sache. Ich denke, dass ich das auch genießen werde." Nur eben nicht allzu ausgiebig. Und bloß nicht mit einem Glas Wein oder Bier in der Hand.

Entsprechend habe er seine Mannschaft bereits am Donnerstag auf die kommenden Spiele eingeschworen, in einer "besonderen Art und Weise", wie Schweinsteiger berichtete. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen", sagte Heynckes. Der erste Schritt ist Hamburg, eine "unberechenbare" Mannschaft, wie Heynckes findet, die an sehr guten Tagen "exzellenten Fußball" spiele. Doch ein bisschen Juve, das gab er zu, spuke selbst bei ihm schon gegen Hamburg im Kopf herum.

Weil Javi Martínez am Dienstag gelbgesperrt fehlen wird, mache er sich "darüber Gedanken, ob ich Luiz Gustavo mit Bastian Schweinsteiger spielen lasse. Sowas bietet sich ganz klar an." Möglicherweise schont er auch Franck Ribéry, der eine Zehenverstauchung (Heynckes: "ein kleines Wehwehchen") hat. Ob mit oder ohne den Franzosen: Der FCB strebt am Samstagabend gleich mehreren Rekorden entgegen. Gewinnt Titelverteidiger Borussia Dortmund am Nachmittag nicht beim VfB Stuttgart, wäre der FC Bayern bei einem eigenen Sieg drei Runden früher Meister als beim eigenen Rekord 1973 und 2003.

Das früheste Meister-Datum würde er um 19 Tage unterbieten (1. FC Köln am 18. April 1964). Und der zehnte Sieg innerhalb einer Saison in Serie würde die Bestmarke von Gladbach und Wolfsburg egalisieren. Das wohlverdiente Weißbier gäbe es dann zum Saisonabschluss auf dem Rathausbalkon. Der dortige Schnee ist bis Mai sicher geräumt.

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