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Wenn Karrieren zerbrechen: Schattenseite des Profi-Fußballs

02.12.12 21:06
Mats Hummels; Timo Heinze
Mats Hummels' Erfolg als Fußball-Profi ist Timo Heinze (re.) verwehrt geblieben.
Foto: dpa bildfunk
Mit Talent wie kaum ein anderer gesegnet, mit Pauken und Trompeten von der Säbener Straße gejagt: Timo Heinze galt lange Zeit als einer der größten Überflieger der Bayern-Schmiede. Nachdem er mit zwölf Jahren zum großen FC Bayern wechselte, ging es sportlich steil bergauf: Erst der Weg durch die Nachwuchsmannschaften des DFB, später Kapitän des Münchner Amateurteams – am Ende jedoch der jähe Absturz in die fußballerische Bedeutungslosigkeit.

Wenn Heinze heute auf seinen geplatzten Traum, als Fußball-Profi in den großen Stadien dieser Welt zu spielen, zurückblickt, fällt unweigerlich der Name Hermann Gerland. Als damaliger Trainer der Bayern-Reserve war es Gerland, der den Youngster erst zum Kapitän der Mannschaft ernannte, ihn aber hinterher wie eine heiße Kartoffel fallen ließ. "Warum weiß ich bis heute nicht so richtig", sagt Heinze, der ein Buch über seine Achterbahnfahrt in München geschrieben und veröffentlicht hat.

Darin berichtet er zunächst stolz über seinen rasanten Aufstieg, als er 2004 unter anderem mit der A-Jugend der Bayern die Meisterschaft feierte. Eine ruhmreiche Karriere schien ihren Lauf zu nehmen, doch nach einem beidseitigen Leistenbruch steht die sportliche Zukunft das erste Mal auf der Kippe. "Ich war zu dem Zeitpunkt gerade auf dem Sprung von den Jugend- in den Seniorenbereich, einen schlechteren Zeitpunkt für eine lange Verletzungspause kann es gar nicht geben", berichtet Heinze, dem die Ärzte schon ein Karriere-Ende nahe gelegt hatten.

Obwohl er von sich selbst sagt, er sei in der Mannschaft akzeptiert gewesen, kommt ihn keiner seiner Kameraden besuchen. "Ehrlich gesagt, kam wenig bis gar nichts", erzählt Heinze, der zwar "ein bisschen enttäuscht war", aber trotzdem Verständnis zeigt: "Im Grunde waren wir auch Konkurrenten, da denken viele an sich", sagt der mittlerweile 26-Jährige, der sich nach einjähriger Verletzungspause zurückkämpft und sogar wieder die Kapitänsbinde tragen darf – bis zum nächsten Nackenschlag.

Sieben Minuten Ruhm, die ihm keiner nehmen kann

Nach ein paar durchschnittlichen Spielen wird Heinze von Gerland zum Auswechselspieler degradiert. Er sucht das Gespräch mit seinen Mentor, bekommt aber nur zu hören, dass seine Leistungen nicht mehr gut genug sind. "Das Verhältnis zwischen mir und Gerland war nicht mehr das Gelbe vom Ei – warum auch immer. Und plötzlich lassen dich Personen hängen, die vorher auf deiner Seite waren. Es klingt platt, aber genau das ist die Schnelllebigkeit des Geschäfts."

Heinze fiel in ein Loch, die Leistungen stimmten nicht mehr, weil der Kopf nicht mit machte. "Im Fußball ist es immer wichtig, dass man das Vertrauen vom Trainer und den Mitspielern hat. Wenn der Kopf nicht frei ist, leidet das Spiel", sagt Heinze. Der Verein erkannte die Probleme und gibt dem damals 20-Jährigen zu verstehen, dass er in München keine Zukunft hat. "Die heile Familie, die in der Öffentlichkeit immer dargestellt wird, gibt es bei den Profis, nicht aber in den unteren Bereichen, da ist Existenzkampf angesagt."

Während seine ehemaligen Mannschaftskollegen wie Mats Hummels, Thomas Müller oder Holger Badstuber den Durchbruch schafften und mittlerweile in der Nationalmannschaft spielen, suchte Heinze sein sportliches Glück zunächst in Unterhaching, hing die Fußball-Schuhe nach einem Jahr endgültig an den Nagel. Mittlerweile studiert er an der Deutschen Sporthochschule in Köln, wo er über sein Buch 'Nachspielzeit – eine unvollendete Fußball-Karriere' spricht. Dabei stellt Heinze klar, dass er trotz seines "bitteren Abgangs" die Zeit bei den Bayern sehr genossen habe – und ihm sieben Minuten immer in Erinnerung bleiben werden.

Beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn bekommt Heinze die Chance, von der er immer geträumt hatte: In der 83. Minute wechselt ihn ein gewisser Jürgen Klinsmann ein, er spielt vor 70.000 Zuschauern in der Allianz-Arena. "Auch wenn es sich komisch anhört, das war die Belohnung für die jahrelange Arbeit", sagt Heinze mit Stolz in der Stimme: "Diese sieben Minuten werde ich nie in meinem Leben vergessen, die kann mir keiner mehr nehmen."

Daniel Grochow

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