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Olympia als kurzes Minutenglück: Judokas enttäuschen

30.07.12
Olympia als kurzes Minutenglück: Judokas enttäuschen
Christopher Völk schied gegen den Mongolen Nyam-Ochir Sainjargal aus. Foto: Christian Charisius, DPA

Das Versprechen klang schön. "Wir streben an, die erste deutsche Medaille in London zu holen", kündigte Sportdirektor Manfred Birod vom Deutschen Judo-Bund (DJB) vor den Sommerspielen vollmundig an.

Doch nicht einmal drei Wochen später hat die harte Realität die deutschen Judokas eingeholt, bislang ist Olympia für sie nicht mehr als ein kurzes Minutenglück. "Wir laufen im Moment dem Erfolg hinterher", sagt DJB-Präsident Peter Frese. Die Bilanz ist ernüchternd. Vier deutsche Athleten gingen an den ersten drei Tagen an den Start, drei von ihnen mussten sich nach höchstens fünf Minuten Kampfzeit verabschieden. Am Montag erwischte es Miryam Roper und Christopher Völk in ihren Auftaktkämpfen. So war es auch schon Leichtgewichtler Tobias Englmaier ergangen.

Nur unwesentlich länger durfte Romy Tarangul bei ihrem zweiten Olympia-Auftritt Wettkampfluft schnuppern. Die 24-Jährige sorgte zwar bislang für den einzigen Sieg der deutschen Judokas, doch der kam durch Kampfrichter-Entscheid nach Verlängerung zustande. In der zweiten Runde war dann aber auch für Tarangul Schluss mit Olympia.

Keine einzige technische Wertung konnten die deutschen Judokas an den ersten drei Wettkampftagen erzielen, doch dies will DJB-Präsident Frese nicht als Beweis für das bisher schwache Abschneiden seiner Schützlinge geltenlassen. "Wir haben auch oft durch Strafen verloren." Sein Fazit: "Das Quäntchen Glück fehlt noch. Und nun baut sich natürlich Druck auf."

Dass die Deutschen nicht einfach schwächeln, zeigen die vielen frühen prominenten Ausfälle in London. Im Männer-Leichtgewicht erwischte es in seinem ersten Kampf den ukrainischen WM-Dritten Georgi Santaraja, am Montag war die portugiesische Europameisterin Telma Monteiro an der Reihe. "Das Niveau ist einfach extrem eng", erklärt Frese. "Das ist eben nicht wie im 100-Meter-Sprint, wo die Starken fast stürzen müssen, um nicht in den Endlauf zu kommen."

Da hat selbst die Judo-Großmacht Japan ihre Probleme. Erst am dritten Wettkampftag konnte Kaori Matsumoto in Ropers Gewichtsklasse das erste Gold holen. Dagegen hatte ihr Landsmann Riki Nakaya gegen den Russen Mansur Issajew das Nachsehen.

Und auch Lospech kann dazukommen. Im Leichtgewicht musste der Österreicher Ludwig Paischer, immerhin Olympia-Zweiter von Peking, in seinem zweiten Kampf gegen Rishod Sobirov aus Usbekistan antreten. Der war 2008 Olympia-Dritter - Paischer schied aus. So ähnlich erging es am Montag der Leverkusenerin Roper, die in ihrem ersten Kampf die WM-Zweite Rafaela Silva aus Brasilien erwischte.

Nun soll es wieder einmal Ole Bischof richten. Der Olympiasieger von Peking nimmt am Dienstag seine Gewichtsklasse bis 81 Kilogramm in Angriff. Doch Vorsicht: Sein Auftaktgegner Antonio Ciano ist ein echter Brocken. "Er ist ein harter Gegner, aber bei Olympia gibt es keine leichten", erklärt Bischof. Wohl wahr.

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