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Spanien schreibt Geschichte - 'Tiqui-Taca' regiert die Welt

01.07.12
Spanien schreibt Geschichte - 'Tiqui-Taca' regiert die Welt
Spanien ist nicht zu stoppen.
Foto: Reuters
Spanien ist der alte und neue Europameister! Die Geburtshelfer des ‚Tiqui-Taca‘ besiegten in einem hochklassigen Finale Italien mit 4:0. Dank der Treffer von David Silva (14.), Jordi Alba (41.), Fernando Torres (84.) und Juan Mata (88.) verteidigte die 'Seleccion‘ nicht nur zum ersten Mal in der Historie einen EM-Titel, sondern feierte zum ersten Mal in der Geschichte des Fußballs den dritten Erfolg bei einer Welt- und Europameisterschaft in Folge.

Die Jahrhundertelf um Ausnahmespieler wie Andres Iniesta und Iker Casillas schreibt mit diesem Erfolg Geschichte, den deutschen Fan tröstet wohl die Erkenntnis, dass gegen die 'Furia Roja‘ in der Nacht von Kiew kein Kraut gewachsen war. Das 4:0 gegen Italien war der höchste Sieg in einem EM-Endspiel überhaupt.

In der Anfangsphase des Duells der Giganten bekamen die 64.000 Zuschauer im Olympiastadion von Kiew exakt jene Partie geboten, die alle erwarteten: Spanische Ballstafetten trafen auf ein italienisches Abwehrbollwerk. Doch dieses Mal brauchte es keinen langwierigen Zermürbungs- und Abnutzungskampf.

Nach einem Steilpass von Iniesta entwischte Cesc Fabregas Gegenspieler Giorgio Chiellini und flankte mustergültig auf den heranstürmenden Silva, der Keeper Gianluigi Buffon per Kopf keine Chance ließ. Der frühe Rückstand stellte das taktische Konzept der Italiener auf den Kopf. Das Team von Coach Cesare Prandelli musste fortan die defensiven Fesseln abwerfen.

Den nächsten Rückschlag musste die 'Suadra Azzurra‘ in der 22. Minute verkraften: Linksverteidiger Chiellini zog sich ohne gegnerische Einwirkung eine Verletzung zu. Statt seiner rückte Federico Balzaretti in die Viererkette. Mit neuformierter Elf schüttelte Italien den Schock aus den Knochen. Der Welt- und Europameister überließ dem Außenseiter die Spielgestaltung, Italien gewann allmählich die Oberhand übers hart umkämpfte Mittelfeld.

Angeführt von Spielmacher Andrea Pirlo drängten die Azzurri auf den Ausgleich. Immer wieder setzte der 33-jährige Mittelfeldstratege 'Bulldozer‘ Mario Balotelli und Antonio Cassano in Szene, doch im Abschluss fehlten den Angreifern Fortune und Zielwasser. Mehr als zwei unplatzierte Schüsse, die Spaniens Keeper Casillas nicht in Panik versetzten, brachte Cassano nicht zu Wege. Sturmpartner Balotelli war bei Innenverteidiger Sergio Ramos in den besten Händen.

Thiago Motta hatte einen bitteren Abend.
Foto: dpa bildfunk

Italien in Unterzahl dem Untergang geweiht

Für alle Kritiker der Spielweise Spaniens, die für 'Tiqui-Taca‘ nicht mehr als Hohn und Spott übrig haben und sich oftmals gelangweilt abwenden, hielt die 'Furia Roja‘ kurz vor der Pause mit einem wahrlich welt- und europameisterlichen Spielzug die passende Antwort parat.

Alba spurtete sechzig Meter übers Feld in die Nahtstelle der italienischen Viererkette, Xavi bediente den Außenverteidiger mustergültig und jener lupfte den Ball über den konsternierten Buffon zum 2:0. "Ich bin glücklich mit meiner Leistung. Wir hatten schon vorher Geschichte geschrieben, jetzt noch mal. Ich kann es gar nicht glauben", sagte der Torschütze.

Von Coach Vicente del Bosque dirigiert ließ sich das spanische Ball-Orchester von wütenden Italienern nicht aus dem Takt bringen. Auch die Einwechslung von Antonio di Natale, der zur Pause den glücklosen Cassano ersetzte, verpuffte angesichts der Überlegenheit des Gegners. "Bei so einer Mannschaft muss man davon ausgehen, dass Druck aufgebaut wird. Kein italienisches Wunder, aber wir haben trotzdem sehr gut gespielt", bekannte Prandelli.

Den letzten Funken Hoffnung verloren die Italiener in der 62. Minute. Der erst fünf Minuten zuvor für Riccardo Montolivo eingewechselte Thiago Motta verletzte sich in einem Zweikampf und konnte trotz aller Anstrengungen der medizinischen Abteilung nicht mehr weitermachen. Da Prandelli bereits dreimal gewechselt hatte, spielte Italien fortan in Unterzahl. Für den dezimierten Außenseiter nahm das Drama seinen Lauf, Spanien zerlegte Italien, das gleich einem Stier durch die Arena gehetzt wurde.

Es gab zuvor wohl wenige EM-Endspiele, die bereits so frühzeitig entschieden waren. Die Dominanz der 'Seleccion‘ und die Art und Weise des Sieges werden nachhaltig Eindruck hinterlassen. "Man muss manchmal einfach einsehen, dass ein Gegner besser ist", gestand Buffon ein.

Nach dem Halbfinal-Erfolg gegen Deutschland und dem guten Match gegen Spanien in der Vorrunde liebäugelte ganz Italien mit dem zweiten EM-Titel nach 1968. Und nicht nur die Italiener räumten dem Außenseiter gute Chancen ein. Doch nach dem Abend des 1. Juli bleibt nur eine Erkenntnis: 'Tiqui-Taca‘ regiert die Welt. "Ballbesitz, das ist unser Stil, das haben wir bis zur Perfektion gemacht, das ist unser Geheimnis", stellte del Bosque klar.
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