Wasserspringer gehen ans Limit - Grenze erreicht?
13.02.12
109 C ist nichts Besonderes mehr, für etwas Außergewöhnliches muss es schon der 109 B sein. Die Zahlen stehen in der Tabelle der Wasserspringer für unterschiedliche Ausführungen des viereinhalbfachen Saltos.
Gerade vom zehn Meter hohen Turm gilt das olympische Motto: Höher, schneller, weiter - doch wo liegen die Grenzen und Gefahren der immer weiter heraufgeschraubten Höchstschwierigkeiten?
Erst am Sonntag misslang dem sechsmaligen Europameister Patrick Hausding bei einem Wettkampf in Rostock ein komplizierter, aber zu seinem Standardprogramm gehörender Sprung: Mit blauen Flecken nach einem schweren Bauchplatscher kam der Berliner noch einigermaßen glimpflich davon.
Der Synchron-Vizeweltmeister hält das Risiko weiterhin für kalkulierbar. "Der Sprung ist Standard. Das war mein eigenes Verschulden, ich bin nicht weit genug abgesprungen", sagte Hausding. Seine Teamkollegin Maria Kurjo schlug vor zwei Jahren mit dem Kopf an der Beton-Plattform an und fiel bewusstlos ins Wasser. Die heute 22-Jährige hat keine Erinnerung an den Unfall und springt heute wieder den dreieinhalbfachen Salto.
Bundestrainer Lutz Buschkow, der Kurjo damals bewusstlos aus dem Wasser zog, verdeutlicht die Komplexität der meisten Sprünge: "In 1,2 Sekunden müsste der Zuschauer zu Hause vom Sessel aufstehen, zwei Rollen vorwärts machen, nach drei Drehungen um die Längssachse in den Handstand gehen und auch noch spritzerlos in Position eintauchen."
Olympiasieger Matthew Mitcham sagt: "Die Gefahr war immer da, das hängt nicht so von den Schwierigkeiten ab." Der Australier zeigt nicht das technisch schwierigste Programm, sondern konzentriert sich lieber auf die saubere Ausführung.
Vor vier Jahren wurde der Schwierigkeitsgrad einiger Sprünge neu bewertet. Für den gehockten viereinhalbfachen Salto (Sprungnummer 109 C) gibt es nun statt 3,7 nur noch 3,1 Punkte, für den gehechteten Salto mit gestreckten Beinen gar 4,1 Punkte, die mit den Noten der Kampfrichter multipliziert werden. Bei Olympia sorgte der viereinhalbfache Salto als Königssprung noch für Erstaunen, beim Springertag in Rostock zeigten ihn im Vorkampf acht Springer.
"Der Sprung wird langsam Standard in der Welt. Man muss mithalten", sagt Hausding. Von 15 Trainingssprüngen brachte er bisher "etwa drei" gut ins Wasser. Trotzdem wird und muss er ihn bei Olympia zeigen, um konkurrenzfähig zu bleiben.
"Der Sprung ist technisch und körperlich an der Grenze", erklärt Hausding, der zudem mit seiner Körpergröße von 1,80 Metern ungünstigere Hebelverhältnisse als beispielsweise die kleineren Chinesen hat. An einen fünfeinhalbfachen Salto glaubt der 22-Jährige nicht. "Irgendwann ist die Grenze erreicht", sagt er und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: "Ich kann nicht sagen, wo sie liegt."
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